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Goethe hat ihn bewundert
Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler.
Goethe in Thüringen

Goethe in Thüringen

Florian Russi

In den Werken Johann Wolfgang von Goethes spiegelt sich vielfältig die Landschaft Thüringens wieder. „Still mit Nebelglanz", „Über allen Gipfeln ist Ruh´ ...", heißt es da. Goethe, 1749 in Frankfurt am Main geboren, zog als 27-jähriger nach Weimar und wurde zum Thüringer. Er kam nicht als Fremder. Sein Urgroßvater väterlicherseits, Hans Christian Goethe war in Berka bei Sondershausen geboren und lebte und starb in Artern. Über seine Mutter, Katharina Elisabeth, geborene Textor, war Johann Wolfgang ein direkter Nachfahr des 1553 in Weimar verstorbenen Malers Lukas Cranach.

Goethe-Büste auf dem Gelehrtenplatz im Belvedere-Park
Goethe-Büste auf dem Gelehrtenplatz im Belvedere-Park

Frankfurt zählte zur Goethezeit etwa 30.000 Einwohner, war Reichstadt und seit 1562 der Ort, an dem die Kurfürsten den deutschen Kaiser wählten. In Weimar lebten 6.000 Bürger. Viele von ihnen betrieben nebenher Landwirtschaft. Das gesellschaftliche Leben spielte sich in einem engen räumlichen Bereich ab. Und doch fand Goethe hier das, was sein Genie zu seiner Entfaltung brauchte.

„Es mag Zufall gewesen sein, dass er nach Weimar gereist, es war kein Zufall, dass er blieb. Es war sicherlich kein Zufall, dass er daraus etwas Bleibendes schuf", schrieb der große Goethe-Biograph Richard Friedenthal. In Weimar fand er „eine kleine, aber in sich geschlossene Welt und damit für den Dichter, der es mit Gestalten zu tun hat und nicht mit Institutionen, den richtigen Boden."

In der bescheidenen Residenzstadt traf er auf Persönlichkeiten wie Herzogin Anna Amalia, die Hofdame Charlotte von Stein, den Dichter, Pädagogen und Anreger Martin Wieland und den verlässlichen Freund und Förderer Herzog Karl August. Hier bekam er die Möglichkeit, eine eigene geistige Hofhaltung zu errichten und viele Künstler, Forscher und Fachleute an sich zu ziehen. Hier wurde er Hausbesitzer und einflussreicher Beamter. In Weimar fand er die Frau, mit der er eine Familie gründete und die dem Egozentriker bis an ihr Lebensende eine treue Gefährtin blieb.

Der "Schlangenstein" im Park an der Ilm
Der "Schlangenstein" im Park an der Ilm

Nur 20 km entfernt von Weimar liegt Jena, schon damals eine der führenden deutschen Universitätsstädte. Hier lehrten und wirkten viele Geistesgrößen, mit denen Goethe in regen geistigen Austausch trat. Häufig hat er sich in Jena aufgehalten, um dort Studien zu betreiben oder sich zu entspannen. Als Minister ist er viel durch Thüringen gereist. Er förderte den Bergbau in Ilmenau und das Heilbad Berka, veranlasste die Renovierung der vom Verfall bedrohten Wartburg, bestieg den Kyffhäuser und wanderte oder ritt durch das Weimarer Land, nach Großkochberg oder zu den Dornburger Schlössern. An die Wand einer hölzernen Hütte auf dem Berg Kickelhahn schrieb er erstmals sein wohl bedeutendstes Gedicht: „Wanderers Nachtlied."

„Ich habe die feste Überzeugung, dass unser Geist ein Wesen ist von ganz unzerstörbarer Natur, es ist ein fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit", sagte er zu seinem Vertrauten Eckermann. Und so lässt sich der Geist Goethes heute noch an vielen Orten Thüringens als „genius loci" spüren. Als der große Dichter im Jahr 1832 als 83-jähriger starb, hatte er in seiner Wahlheimat, die auch das Land eines Teils seiner Vorfahren war, über 50 Lebensjahre verbracht.

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Quellen:
- Wolfgang Vulpius, Goethe in Thüringen. Stätten seines Lebens und Wirkens. Greifenverlag Rudolstadt 1955.
- Richard Friedenthal, Goethe, Sein Leben und seine Zeit. Illustrierte Sonderausgabe. Deutscher Bücherbund Stuttgart, Hamburg o.J. © 1963
 

Fotos (2): Rita Dadder