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E. Marlitt

E. Marlitt

Sebastian Keßler

„E. Marlitt, der Millionen von Lesern Stunden seelischer Erhebung zu verdanken hatten, verdiente es, der Nachwelt im Bilde erhalten zu bleiben."
Eise Hofmann (1918)

*****

Ein kleines Mädchen geht auf dem Friedhof spazieren, liest die Namen auf den Grabsteinen und malt sich in ihrer Phantasie die Lebensgeschichten der Verstorbenen aus. Der Name des Mädchens ist Eugenie John. Eines Tages wird sie eine gefeierte Schriftstellerin sein. Ihre Romane werden in alle lebenden Sprachen übersetzt, millionenfach gelesen. Einst wird dieses kleine Mädchen die erste Bestsellerautorin der Welt sein. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Geboren am 5. Dezember 1825 in Arnstadt hatte Eugenie John eine behütete Kindheit. Sie sang gern und fiel mit ihrer glockenhellen Stimme auf. Der Vater wandte sich daher an die Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen. Diese ließ die damals 16jährige eingehend prüfen und gewährte ihr eine musikalische Ausbildung in Sondershausen und Wien.Eugenie John wurde eine beliebte Bühnensängerin. Ihre Auftritte führten sie nach Linz, Graz und Lemberg. Schon prophezeite man ihr eine goldene Zukunft, da beendete eine unheilbare Taubheit die noch junge Karriere.

Viel Zeit und Geld hatte die Fürstin in die Ausbildung des Mädchens investiert und es in ihr Herz geschlossen. Als Vorleserin wurde Eugenie John eine enge Vertraute der Fürstin und eng vertraut mit dem fürstlichen Leben. Ihre Eindrücke begann sie, von vielen Seiten ermuntert, zu Papier zu bringen.

Als sich bei der jungen Frau im Sommer 1863 die ersten Symptome der Gicht zeigten, zog sie sich vom fürstlichen Hof zurück. Unterschlupf fand sie bei Ihrer Familie in Arnstadt. Hier entstanden die Novellen „Die Zwölf Apostel" und „Schulmeister Marie". Doch Geld verdienen mit der Literatur? Daran glaubte Eugenie John nicht. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Stickarbeiten.

Ermutigt von ihrem Bruder Alfred schickte Eugenie John im Sommer 1865 ihre Novellen an die Redaktion Gartenlaube. Sie tat dies unter dem Pseudonym E. Marlitt. Ernst Keil, der Herausgeber der Illustrierten, antwortete prompt dem „sehr geehrten Herrn Marlitt" mit der Bitte, noch mehr Texte von dieser Art zu senden, worauf er das Manuskript zu Marlitts erstem Roman  „Goldelse" erhielt.

Keil war begeistert und erklärte sich zu einer Buchausgabe bereit, wenn vorab eine gekürzte Fassung in der "Gartenlaube" erscheinen würde. Er plante sogar eine Reise nach Arnstadt, um die Kürzungen persönlich mit dem Autor zu bereden. Wie konnte ihm aber begreiflich gemacht werden, dass sich hinter dem Herrn E. Marlitt die Frau Eugenie John verbarg? Glücklicherweise musste die Reise abgesagt werden, bevor die Maske fiel.

Für die Gartenlaube, ein illustriertes Familienblatt mit rund 100.000 Abonnenten, machte die „Goldelse" ihrem Namen alle Ehre. Mit jedem Kapitel stieg die Begeisterung unter den Lesern. Schamlos saßen Dienstboten auf den Straßen und lasen die neueste Folge, während ihre Herrschaften ungeduldig warten mussten. Die Zahl der Abonnenten stieg auf 175.000 Leser. Dass die Gartenlaube für kurze Zeit aus politischen Gründen nicht erscheinen durfte, konnte dem neuen Ruhm der E. Marlitt nur zuträglich sein.

E. Marlitt wurde die erste Bestseller-Autorin der Welt, ein echter Superstar. In dutzende Sprachen übersetzt verkaufte sich „Die Goldelse" weltweit millionenfach. Menschenmassen pilgerten nach Arnstadt. Es galt als schick, ein Blatt vom Efeu an Marlitts Geburtshaus zu besitzen. Die armen Pflanzen wurden regelrecht zerfetzt.

Schon für Januar 1867 kündigte die Gartenlaube den nächsten Marlitt Roman an. Ihre inzwischen 210.000 Leser warteten ungeduldig. Doch E. Marlitt, deren Selbstzweifel auch der jüngste Erfolg nicht vertreiben konnte, ließ sich Zeit. Als gewissenhafte Schriftstellerin wollte sie ein perfektes Manuskript abliefern. So dauerte es lange 21 Wochen, bis der erste Teil aus „Das Geheimnis der alten Mamsell" in der Gartenlaube abgedruckt werden konnte. Keil und seine Leser wurden nicht enttäuscht. Bei einer Reise in den Thüringer Wald lernte der Verleger endlich seine „Tante Marlitt" kennen.

Indes schritt die Gicht, welche Eugenie John einst zur Aufgabe ihrer Stellung am Hofe zwang, weiter voran. Als die „Reichsgräfin Gisela" entstand, war die Autorin bereits an den Rollstuhl gefesselt. Um so mehr erstaunt, dass sie dieses Werk gegen ihre Prinzipien als Fragment an die Gartenlaube sandte und parallel zu den Veröffentlichungen vollendete.

Vielleicht als Belohnung für die anstrengenden Monate, die hinter ihr lagen, begann Eugenie John im Oktober 1870 mit dem Bau ihrer Villa „Marlittsheim" auf der Hohen Bleiche in Arnstadt. Hier konnte sie der von ihr so geliebten Natur nahe sein. Nach der Veröffentlichung des „Heideprinzesschen" im Jahr 1871 zog sie sich zurück und ließ die Feder ruhen. Es war eine glückliche Zeit, die durch schwere Schicksalsschläge jäh beendet wurde.

Nach dem Tod des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau wurde der Briefwechsel zwischen dem Landschaftskünstler und der berühmten Schriftstellerin veröffentlicht. E. Marlitt war wenig begeistert, doch die durchweg positiven Reaktionen ermutigten sie zu neuem Schaffen. Es war auch der unentwegte Zuspruch ihrer Verehrer, der Eugenie John Halt gab, als im Juli 1873 ihr geliebter Vater starb.

Mit dem Erscheinen von „lm Hause des Kommerzienrates" zählte die Gartenlaube bereits mehr als 360.000 Abonnenten. Es war Marlitts letzte Veröffentlichung unter Ernst Keil. Der Freund und Herausgeber starb am 22. März 1878 nach langer, schwerer Krankheit. Bereits zu Lebzeiten hatte ihm E. Marlitt versprochen, nur für die Gartenlaube zu schreiben. Ein Versprechen, dass sie mit „lm Schillingshof" und „Amtsmanns Magd" auch über den Tod hinaus hielt.

Schon arbeitete E. Marlitt an ihrem nächsten Roman, da erlitt sie einen schweren Unfall. Beim Sturz mit dem Rollstuhl zerschlug sie sich die von der Gicht gezeichneten Knie. Ihr Schaffenswille indes war ungebrochen.

„Ich stehe und falle mit der Gartenlaube" hatte E. Marlitt schon früh für sich erkannt. So erschien auch „Die Frau mit den Karfunkelsteinen" wie gewohnt als Fortsetzungsroman in der Illustrierten, obwohl Keils Witwe die Gartenlaube inzwischen an die Stuttgarter Brüder Kröner verkauft hatte. Die neuen Verleger verstanden es, Marlitts Treue zu bewahren. Doch als Ihr nächster Roman „Das Eulenhaus" angekündigt wurde, erkrankte die Schriftstellerin an einer schweren Rippenfellentzündung.

Eugenie John starb am 22. Juni des Jahres 1888 in ihrer Villa Marlittsheim. Die Nachricht vom Tod Schriftstellerin verbreitete sich in Windeseile um den Globus. Ihren letzten Roman durfte eine andere erfolgreiche Autorin der Gartenlaube, Wilhelmine Heimburg, vollenden.

Bildquellen: wikipedia, gemeinfrei; Bild aus Ernst Keil's Nachfolger Die Gartenlaube. Leipzig 1887, S. 473, bearbeitet von Leppus