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Heft 2

B-Z! Das ist nett! (Teil 1)

In diesem Arbeitsheft werden alle Konsonanten eingeführt, die sich beim Sprechen gut dehnen lassen. Dazu kommen noch einige Vokale (Zwie- und Umlaute).

Wie die Karten bunt wurden

Wie die Karten bunt wurden

225 Jahre Atlanten & Kartographie aus Gotha

Justus Perthes
Justus Perthes
Die Geschichte des Hauses Justus Perthes begann im September 1785 mit der Herausgabe des Almanach de Gotha, einer Art höfischen „Who is Who". Obwohl sich die Verlagstätigkeit anfangs noch in der Mietwohnung des jungen Kaufmanns und Buchhändlers Johann Georg Justus Perthes (1749 - 1816) abspielte, erlangte „Der Gotha" bald Weltruf und wurde nach England, Holland, Frankreich, Italien, Russland und Amerika vertrieben. Die Arbeit am Almanach verschaffte dem Verlag Zugang zu den höchsten Kreisen der Länder.
Mit Adolf Stieler und seinem „Hand-Atlas über alle Theile der Erde und über das Weltgebäude" verlagerte sich der Publikationsschwerpunkt des Verlages allmählich auf Karten und Atlanten. Der „Stieler" wurde zum Inbegriff für die anerkannt gute Kartographie und zum Leitmotiv der geographischen Verlagsarbeit. Dem hohen Aufwand - für den Entwurf einer Karte wurden eineinhalb Jahre benötigt, für den Stich weitere zwei - standen jedoch Auflagenhöhen von allenfalls 2.000 Abzügen entgegen, da sich das Kupfer unter der Presse verformte. Erst die Einführung der Galvanoplastik ermöglichte zur Mitte des 19. Jahrhunderts höhere Auflagen und erleichterte die Aktualisierung oder Umarbeitung des Materials für andere Veröffentlichungen.
Stieler-Handatlas: Nordpolarkarte 1910
Stieler-Handatlas: Nordpolarkarte 1910


In „Stielers Handatlas" wurden im Unterschied zur Konkurrenz nur gesicherte Informationen aufgenommen. Jedes Kartenblatt erhielt eine ausführliche Beilage, in welcher seine Quellen dargestellt und diskutiert wurden. Unbekannte Regionen der Erde blieben weiß. Insbesondere diese weißen Flecken lenkten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die noch unerforschten Gebiete der Erde.

Zu jener Zeit gelang es, den jungen Kartographen August Petermann als Mitarbeiter zu gewinnen. Er etablierte die „Mittheilungen aus Justus Perthes geographischer Anstalt" als erfolgreichste deutschsprachige geographische Zeitschrift. Von da an ging kein Forscher mehr hinaus in die Welt, der nicht in Thüringen Anregungen erhalten hatte. Keine Expedition unterließ es, hier über ihre Vorhaben und Ergebnisse zu berichten. Kein Wissenschaftler verzichtete darauf, sein Werk in Gotha anzeigen und besprechen zu lassen. In einzigartiger Weise beherrschte der Verlag die Konstruktion der Routen aus den in den Expeditionstagebüchern festgehaltenen Aufnahmen und Peilungen. Die Kartographen glichen die Ergebnisse mit den früheren Erkenntnissen ab und publizierten in der Zeitschrift immer wieder Karten, welche erstmals Aufschluss über neu entdeckte oder kaum bekannte Gebiete der Erde gaben.
Ausschnitt aus einer aktuellen physischen Europakarte
Ausschnitt aus einer aktuellen physischen Europakarte
Ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Verlags begann 1897, als Hermann Haack in den Verlag eintrat und seither die Entwicklung der Kartographie bei Justus Perthes maßgeblich bestimmte. Unter seiner Leitung wurde ein modernes Schulwandkartenprogramm konzipiert. Vor allem die leuchtenden, auf Fernwirkung abgestimmten Farben und eine außerordentlich plastisch wirkende Geländedarstellung prägten das Bild der physischen Schulkarten. Dabei hatte Haack mit der kräftigen Farbskala nur einen ganz einfachen Zweck verfolgt: Auch der Schüler in der letzten Bankreihe sollte die Karte ohne Anstrengung lesen können. Haacks Farbsymbolik, Blau für das Gewässer, Grün für das Tiefland, Rot für die Städte, Braun für das Gebirge und Rotbraun für die höchsten Erhebungen, ist noch heute üblich. Ein Höhepunkt im Schaffen Hermann Haacks war die „Jahrhundertausgabe des Stieler Hand-Atlas", die 1925 erschien und einen für die damalige Zeit unübertroffenen Standard erreichte.
Prof. Hermann Haack
Prof. Hermann Haack
Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus schränkten sich Haacks Möglichkeiten, schöpferisch zu arbeiten, stark ein. Im Jahr 1944 ging er schließlich in den Ruhestand. Während die meisten graphischen Betriebe der deutschen Buchmetropole Leipzig dem Bombenkrieg zum Opfer fielen, überlebte der Verlag Justus Perthes in Gotha die Zeit so gut wie unbeschadet. Bereits im September 1945 konnte die Arbeit wieder aufgenommen werden. Für wissenschaftliche Publikationen fehlten nicht nur die Mittel, sondern auch ein geeigneter Schriftleiter. Schließlich war es der damals bereits 75-jährige Hermann Haack, der in den Verlag zurückkehrte. Zu Ehren Hermann Haacks erfolgte im Oktober 1955 die Umbenennung in VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha.
In den Jahren der deutschen Teilung wurde der Haack-Atlas zu dem Schulatlas im Osten: Die Marke Haack erreichte einen immensen Bekanntheitsgrad. Auf Grund seiner großen kartographischen, von Hermann Haack geprägten Kompetenz wurde der Verlag in Gotha auch international zu einer gefragten Adresse.
Zum 1. Januar 2003 wurde das gesamte Archiv des Hauses Justus Perthes vom Freistaat Thüringen übernommen. Dabei handelt es sich um eine Bibliothek von 120.000 Bänden, eine Kartensammlung von 185.000 Blättern und ein Verlagsarchiv von 800 laufenden Metern. Die Unterbringung, Erschließung und Nutzung dieses historischen Schatzes wird nun in der Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein realisiert.
Heute erscheinen bei Klett-Perthes hochwertige Atlanten, Schulkarten, digitale interaktive Wandkarten, Medienbausteine und didaktische DVDs. Mit dem 2007 veröffentlichten neuen Haack Weltatlas führt Klett-Perthes das Erbe der großen Gothaer Kartographen ins 21. Jahrhundert.

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Aus der Festschrift zum 225 jährigen Jubiläum der Karten und Atlanten aus Gotha.
Landkarten mit freundlicher Unterstützung durch die Ernst-Klett-Verlag GmbH.
Portrait Prof. Hermann Haack: Bundesarchiv, Bild 183-45132-000, Blumenthal.

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