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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Christian Gotthilf Salzmann

Christian Gotthilf Salzmann

Anette Huber-Kemmesies

Der Pfarrerssohn Christian Gotthilf Salzmann, im Juni 1744 in Sömmerda geboren, hatte eine glückliche Kindheit, die er in Sömmerda und Langensalza verbrachte. In Langensalza besuchte er auch unter anderem die Lateinschule. Nach seinem Abitur begann er dann ab 1761 in Jena evangelische Theologie zu studieren. Sein Examen machte er im Jahre 1764 in Erfurt unter Aufsicht seines Vaters Johann Salzmann, der hier als Pfarrer tätig war.

1770 heiratete Salzmann die erst 14jährige Sophie Schnell, die ihm nach Veröffentlichung seiner Disputation riet, als Pfarrer an die Andreaskirche in Erfurt zu gehen. Hier avancierte Salzmann zum Neologen, einer neuen Lehre im Sinne der lutherischen Theologie in Verbindung mit den Grundsätzen der Aufklärung (beispielsweise die Erleuchtung durch Erkenntnis). Seine Tätigkeit in Erfurt nahm er im Jahre 1772 auf. Durch seine Tätigkeit an der Andreaskirche beschäftigte er sich zunehmend mit dem Thema der Erziehung, denn für ihn bestand das Elend der Menschen nicht nur infolge des Siebenjährigen Krieges, sondern die Wurzel allen Übels auf der Welt läge in der fehlerhaften Erziehung. „Denken, Dulden, Handeln" war bald das Motto seiner pädagogischen Methode, durch die Salzmann bei seinen geistlichen Kollegen auf Ablehnung stieß.

Er musste sich vielen Diffamationen aussetzen und ging schließlich, tief verletzt, an das „Dessauer Philanthropin", eine Schule, die wie geeignet für die von Salzmann entwickelte Methode schien. Doch auch hier konnte er sich nicht entfalten und kehrte 1784, nach nur drei Jahren, nach Thüringen zurück. Hier gründete er in Schnepfenthal nahe Gotha eine Erziehungseinrichtung, für die Salzmann vom Gothaer Herzog Ernst II. finanzielle Unterstützung zugesprochen bekam. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die Schule mit Schülern zu füllen, sollte nur knapp ein Jahr dauern. Bereits 1785 konnte Salzmann mit der Erziehung einiger Jungen beginnen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre verbreitete sich die Nachricht über die Bildungsanstalt in Schnepfenthal wie ein Lauffeuer, worauf viele Eltern aus ganz Europa ihre Kinder in die Thüringer Bildungsanstalt schickten. Auch viele hochkarätige Aufklärer kamen nach Schnepfenthal, um sich ein Bild von den Methoden Salzmanns zu machen, unter ihnen Fichte, Goethe und Wieland.

In zahlreichen Schriften, die bekannteste ist wohl „Das Armeisenbüchlein" von 1806, in dem es vordergründig um eine „Anweisung zu einer Erziehung der Erzieher" geht, stellte er seine pädagogischen Erkenntnisse vor. Dabei soll immer das Kind im Mittelpunkt stehen und in seinen Rechten geachtet werden. Nicht den Unschuldigen die Schuld geben, sondern die Schuld für das Fehlgehen seiner Schüler bei sich selbst suchen, ist ein wesentlicher Ansatz in Salzmanns Methode.

Weitere Projekte konnte Salzmann aber nicht beenden, denn im Jahre 1811 verstarb er. Die von ihm gegründete Schule in Schnepfenthal (einem Ortsteil von Waltershausen) ist heute noch Gymnasium. Die „Salzmannschule" hat sich zum Ziel gesetzt, die kinderorientierte Methode im Gedenken an Salzmann fortzuführen.

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(Quelle: M.H. Schnitzler: Christian Gotthilf Salzmann als Moralpädagoge, Schöningh 1916)

Foto: Wikipedia