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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Wie Graf Ludwig die Wartburg erbaut hat

Wie Graf Ludwig die Wartburg erbaut hat

Dr. August Witzschel

Nach den bekannten thüringischen Sagensammlungen von Ludwig Bechstein aus den Jahren 1835 und 1858 war es das Bestreben von Dr. August Witzschel, eine weitere Sammlung zusammenzutragen, da seiner Meinung nach den thüringischen Sagen, Sitten und Bräuchen immer noch nicht genug Beachtung geschenkt wurde. Um das Volkstum möglichst getreu wiederzugeben, bediente er sich möglichst ursprünglicher schriftlicher Quellen wie Chroniken und Archiven, aber auch anderer Sammlungen.
„Meine Absicht war und ist darauf gerichtet, alles was von alten Sagen, Gebräuchen und Glauben, geschichtlichen, lokalen und volksthümlichen Inhalts, in Thüringen unter dem Volke einst heimisch war oder in seiner Erinnerung noch lebt und in Uebung ist, möglichst vollständig und treu der Ueberlieferung in dieser Sammlung nieder zu legen." (Kleine Beiträge zur deutschen Mythologie, Sitten- und Heimathskunde in Sagen und Gebräuchen aus Thüringen. Gesammelt und herausgegeben von Dr. August Witzschel. Erster Theil: Sagen aus Thüringen. Wien 1866, Vorwort VIII)

Anna Hein

 

 

Wie Graf Ludwig die Wartburg erbaut hat

Binhard neue vollkommene thür. Chronika 1, 86 f.

Wie Graf Ludwig von Thüringen die Wartburg bei Eisenach erbaut habe, erzählt eine alte geschriebene Chronik auch auf folgende Weise.
Der Graf jagte einmal am Inselberge und traf da ein Stück Wild an, dem ritt er nach bis an die Hörsel bei Eisenach und von da bis an den Berg, wo jetzt die Wartburg liegt, zu warten, wo das Wild aus dem Walde liefe. Da gefiel ihm die Gelegenheit des Berges also wohl, daß er eine Lust darauf zu bauen bekam, trachtete deshalb auf Mittel und Wege, wie er's füglich anfinge und den Berg, welcher denen zu Mittelstein und Frankenstein zuständig war, an sich brächte. Bald schickte er des Nachts aus und ließ heimlich Erde in Körben von seinem Lande auf den Berg tragen, danach auch einen Bergfried machen und schlug ihn mit Gewalt auf. Da ward er von denen von Mittelstein und Frankenstein vor dem Reiche verklagt, daß er sich des Ihrigen mit Gewalt freventlich unterstünde. Als er nun darum zur Rede gesetzt ward, gab er zur Antwort, er hätte die Burg auf das Seine gebaut und wolle das mit Urteil und Recht seines Berhoffens wohl erhalten. Da wurde zu Recht erkannt, wenn er mit zwölf redlichen Männern aus der Ritterschaft beweisen könnte oder selbst einen leiblichen Eid schwören wollte, daß das Land, worauf er gebaut und da jetzo Wartburg liegt, sein wäre, sollte ers behalten. Darauf hat er bald zwölf Ritter, welche ihm zuvor die Erde auf den Berg zu tragen Rath und That gegeben und behilflich gewesen, erkoren und trat mit denselben auf den Berg und sie steckten ihre Schwerter in die Erde, die er hatte darauf tragen lassen, und schwuren, daß ihr Herr, der Graf Ludwig, da auf dem Seinen stünde und vor Alters der Boden zum Lande und zur Herrschaft von Thüringen gehört habe. Damit behielt er den Berg und fing also an das Schloß und die Burg zu bauen.
Er ließ nun Steine vom Seeberg bei Gotha führen und bauete das Mushaus und andere Kemnaten und Türme darauf, ließ auch ans Reich gelangen, daß ers möchte mit Kupfer übergüldet decken. Das Reich aber wollte solches nicht nachgeben, da wurde es mit Blei gedeckt. Nach der Zeit aber ist das abgebrannt und nunmehr mit Ziegeln bedeckt.
In der Zeit aber, als die Wartburg gebaut wurde, war Hunger und Sterben überall und die armen Leute haben an der Burg um das liebe Brod gearbeitet und Gott gedankt, daß sie dasselbe noch haben konnten.

 

 

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Textquelle: Kleine Beiträge zur deutschen Mythologie, Sitten- und Heimathskunde in Sagen und Gebräuchen aus Thüringen. Gesammelt und herausgegeben von Dr. August Witzschel. Erster Theil: Sagen aus Thüringen. Wien 1866, S. 36 f.