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Die Bunte-Kinder

Johannes E. R. Berthold

Lustige und ernste Geschichten über eine wundervolle Kindheit

Ernst Gebhard Salomon Anschütz

Ernst Gebhard Salomon Anschütz

Florian Russi

„Wie grün sind deine Blätter“

Sein Lied „O Tannenbaum" ging um die Welt und wurde zu einem der beliebtesten Weihnachtslieder. Die eingängige Melodie wurde der Hymne des amerikanischen Bundesstaats Maryland unterlegt und auch die Fans des englischen Fußballvereins FC Chelsea singen ihre Vereinshymne „We'll keep the Blue Flag flying high" nach den Noten von „O Tannenbaum". Dem Thüringer Pfarrerssohn Ernst Anschütz verdanken wir einige der schönsten Kinderlieder. Er dichtete und komponierte unter anderem „Wenn ich ein Vöglein wär", „Alle meine Entchen", „Fuchs, du hast die Gans gestohlen" und „Wer hat die schönsten Schäfchen". Zu den Liedern „Alle Jahre wieder" (Text von Wilhelm Hey) und „Ein Männlein steht im Walde" (Text von Hoffmann von Fallersleben) schrieb er die Melodie und zu „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" den Text. Darüber hinaus sammelte er Volks- und Kinderlieder und bearbeitete und veröffentlichte sie. Im Jahr 1824 erschien von ihm im Reclam-Verlag erstmals sein „Musikalisches Schulgesangbuch", das 1828 und 1830 um zwei Bände erweitert wurde und große Verbreitung fand.
Ernst Anschütz
Ernst Anschütz
Anschütz kam am 28. Oktober 1780 in Goldlauter in der Nähe von Suhl zur Welt. Dem Wunsch seines Vaters folgend studierte er in Leipzig Theologie. Zusätzlich begann er ein Philosophiestudium, das er 1802 mit einer Promotion abschloss. Er entschied sich für den Lehrerberuf und unterrichtete seit 1799 an der Wendlersche Freischule in Leipzig und seit 1806 an der Bürgerschule auf der Moritzbastei, ebenfalls in Leipzig. Nach dem Tod seines Vaters bot ihm seine Heimatpfarrei in Goldlauter dessen Nachfolge an, doch er entschied sich dafür, in Leipzig zu bleiben.

Ernst Anschütz war auch musikalisch sehr engagiert und spielte mehrere Instrumente. Nebenbei wirkte er auch als Organist. Seine Einkünfte gewährten ihm nur ein sehr bescheidenes Leben. Er war verheiratet und hatte 7 Kinder zu versorgen. Dennoch verzichtete er immer wieder auf Honorare und Tantiemen, weil ihm die Verbreitung seiner Werke wichtiger war, als der materielle Erfolg.
Anschütz war auch ein eifriger Tagebuchschreiber. Unter anderem hielt er als Beobachter die Hinrichtung des durch Georg Büchners Drama bis heute bekannten Johann Christian Woyzeck im Jahr 1824 fest. Seine Tagebücher wurden teilweise auch publiziert. Die Originale sind größtenteils verloren gegangen.

„O Tannenbaum", das berühmteste seiner Lieder, hat eine lange Entstehungsgeschichte. Die Melodie entstand im 16. Jahrhundert. Der Komponist Melchior Franck (1580-1639) schrieb dazu einen Text. Melodie und Text nahm der protestantische Prediger Joachim August Zarnack (1777-1827) als Grundlage eines von ihm verfassten Liedes über eine enttäuschte Liebe. Darin stellt er die Treue des Tannenbaumes („Wie treu sind deine Blätter") in Gegensatz zur Treulosigkeit der Frauen.

Ernst Anschütz nahm dieses Lied als Vorlage für ein Winter- und Weihnachtslied. Er ersetzte die 2. und 3. Strophe durch eigene Verse. In der 1. Strophe ersetze er das Wort „treu" durch „grün" („Wie grün sind deine Blätter").

Anschütz starb am 18. Dezember 1861 in Leipzig und wurde auf dem dortigen Neuen Johannisfriedhof beigesetzt. In seinem Geburtsort Goldlauter wurde eine Straße nach ihm benannt.

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Vorschaubild, Ernst Gebhard Salomon Anschütz, gemeinfrei, bearbeitet von Andreas Werner

 Tanne bei Chamby, Ferdinand Hodler (1853-1918), gemeinfrei