Thüringen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.thueringen-lese.de
Unser Leseangebot

Florian Russi

Im Zeichen der Trauer
Tröstungen für Hinterbliebene

Dieses Büchlein will denjenigen helfen, die durch den Verlust eines geliebten Menschen in Trauer, Schmerz und seelische Not geraten sind. 

Das Theresienfest in Hildburghausen

Das Theresienfest in Hildburghausen

Thomas Handschel

ein regionales Volksfest mit Tradition

In der kleinen südthüringischen Stadt Hildburghausen wird jedes Jahr das Theresienfest gefeiert . 1991 von geschichtsbewussten Bürgern aus der Taufe gehoben, hat es sich längst einen festen Platz im jährlichen Kulturkalender der Stadt erobert und übt als regionales Volksfest mit Tradition auch auf viele Touristen seine Anziehungskraft aus.

Wie aber kommt das Fest zu seinem Namen und welche Verbindung gibt es zum weltberühmten Oktoberfest in München, das ja bekanntlich einmal im Jahr auf der dortigen „Theresienwiese" zünftig begangen wird?

Ein Blick zurück in die Historie erweist sich da als hilfreich. Hildburghausen war die Residenzstadt des 1680-1826 bestehenden kleinen Fürstentums Hildburghausen-Sachsen. Das Herzogspaar Friedrich (1763-1834) und Charlotte (1769-1818, eine geborene von Mecklenburg-Strelitz und Schwester der Königin Luise von Preußen) hatte zwölf gemeinsame Kinder, darunter auch die am 8. Juli 1792 geborene Prinzessin Therese. Obwohl sich der Hildburghäuser Hof zu jener Zeit in einer finanziell sehr klammen Situation befand, gehörte Therese zu den begehrten Ehekandidatinnen bedeutender Männer. Angeblich soll sich 1809 sogar der französische Kaiser Napoleon für sie interessiert haben, der in eine alte europäische Hochadelsfamilie einheiraten wollte. Erfolgreich umworben wurde Therese dann aber vom bayerischen Kronprinzen Ludwig (1786-1868), der sich am 12. Februar 1810 mit ihr verlobte. Als Therese zusammen mit ihren Eltern am 6. Oktober 1810 zu ihrer bevorstehenden Hochzeit nach München aufbrach, wurde sie in Hildburghausen feierlich verabschiedet. An dieses Ereignis knüpft das seit 1991 jährlich Anfang Oktober gefeierte Theresienfest an.

Theresienfest in Hildburghausen
Theresienfest in Hildburghausen

Die Trauung von Therese und Ludwig fand am 12. Oktober 1810 in München statt. Die sich anschließenden fünftägigen Hochzeitsfeierlichkeiten gestalteten sich zu einem echten Volksfest. Den Abschluss bildete am 17. Oktober 1810 ein von der Kavallerie-Division der Nationalgarde organisiertes Pferderennen auf einer - damals noch vor den Toren der Stadt gelegenen - großen Wiese. Dieses Areal, das heute inmitten von München (Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt) zu finden ist, erhielt zu Ehren der Braut den Namen „Theresens Wiese". Der große Zuspruch, den die Veranstaltung bekam, führte dazu, dass man sie im nächsten Jahr unter Einbeziehung eines „Zentral-Landwirtschaftsfestes" wiederholte. Daraus entwickelte sich dann das jährlich stattfindende Oktoberfest, das mittlerweile schon im September beginnt, zwischen 16 und 18 Tagen dauert und seit den 1980er-Jahren durchschnittlich mehr als 6 Millionen Besucher aus aller Welt anzieht. Das Oktoberfest durchlebte in den mehr als 200 Jahren seines Bestehens so manchen Wandel; das „an seiner Wiege stehende" Pferderennen wurde ab 1913 (abgesehen von einem kurzen Wiederaufleben 1934-1938) nicht mehr durchgeführt. Die das heutige Oktoberfest prägende Mischung aus Festzelten mit einem rekordverdächtigen Bierausschank (pro Saison 5-6 Millionen Maß), zahlreichen Fahrgeschäften, Verkaufsständen und Belustigungen hat sich erst allmählich herausgebildet.

Prinzessin Therese wurde 1825 - nachdem ihr Gatte als Ludwig I. inthronisiert worden war - Königin von Bayern. Der Ehe mit Ludwig entstammten neun Kinder, darunter  Maximilian (nach der Abdankung seines Vaters 1848-1864 als Maximilian II. König von Bayern) und Otto (1832-1862 König von Griechenland). Obwohl die Ehe von zahlreichen Affären Ludwigs getrübt wurde (u. a. war die irisch-schottische Tänzerin Lola Montez seine Geliebte), hielt Therese zu ihrem Mann und war ihm bis zu ihrem Tod 1854 auch eine wichtige politische Ratgeberin.

Auch wenn aus der Münchner „Theresienwiese" im Volksmund längst „die Wiesn" geworden ist: Unvergessen bleibt, dass die Vermählung der Hildburghäuser Prinzessin Therese den Anlass für die Entstehung des weltgrößten Volksfestes gab und dass der Schauplatz dieses jährlich wiederkehrenden Ereignisses offiziell ihren Namen trägt.  

Nur allzu verständlich, dass auch Hildburghausen an diese Tradition anzuknüpfen versuchte. Während zu DDR-Zeiten Festivitäten mit adelsgeschichtlichem Hintergrund kaum Chancen auf offizielle Förderung hatten, bot sich nach Wiederherstellung der deutschen Einheit eine gute Gelegenheit. So wurde vom 2. bis 6. Oktober 1991 das erste Theresienfest in Hildburghausen veranstaltet. Anlassgemäß erschien der „Hildburghäuser Anzeiger" Nr. 21 vom 3. Oktober 1991 auch als „Theresienfestausgabe". Dem dort abgedruckten Programm ist zu entnehmen, dass das Festzelt auf dem „Theresienplatz" im Norden der Kleinstadt stand. Dort wurde am Abend des 2. Oktobers vom damaligen Bürgermeister Franz Kipper mit dem Bierfassanstich das erste Theresienfest eröffnet. Dass man sich dabei auch ein wenig an das Münchner Vorbild (gewissermaßen als „große Schwester") anlehnen wollte, wurde daraus ersichtlich, dass zu diesem Anlass die langjährige Festleiterin des Münchner Oktoberfestes, Gabriele Weishäupl, eingeladen worden war. Es folgte ein mehrtägiges buntes Programm für Jung und Alt. Höhepunkte waren am 3. Oktober ein Festumzug, ein Wettstreit der Bürger- und Landwehren um den Theresienpokal und die Aufführung eines Historienspiels auf dem Markt, am 5./6. Oktober ein Hallenhandballturnier und am 6. Oktober ein Kinderfest anlässlich des 130-jährigen Bestehens der Feuerwehr Hildburghausen, die Eröffnung der Sonderausstellung „Hildburghäuser Studentenleben" im Rathaus und die Ziehung der Gewinner der „Großen Tombola" (im Gesamtwert von 30 000 DM). Abgerundet wurde das Fest durch ein Chorkonzert, Volks- und Tanzmusikveranstaltungen, Verkaufsmodenschauen und ein Höhenfeuerwerk.

Damit war der Startschuss für ein sich jährlich wiederholendes Ereignis gegeben, das  mittlerweile als das größte südthüringische Volksfest gilt. In Erinnerung an die historischen Hintergründe des Theresienfestes gehört auch der Auftritt eines Prinzenpaares zum Programm. Längst ist der ursprüngliche Festplatz zu klein geworden. Das Theresienfest mit seinem Rummelbetrieb, den Buden und dem großen Festzelt musste auf das Festgelände im Gewerbegebiet „Schraube" umziehen.

Vom 1. bis zum 5. Oktober 2014 feierte man das 24. Theresienfest in Hildburghausen. Parallel dazu fand am 4. Oktober im Stadtzentrum das Thüringer Landeserntedankfest 2014 statt, begleitet von einem ökumenischen Festgottesdienst, einem Bauernmarkt und einem Bühnenprogramm. Schon im Vorfeld des Theresienfestes wurde am 20. September das Schießen um den Theresienpokal in Wallrabs (Ortsteil von Hildburghausen) durchgeführt. Einem Fackelumzug und der traditionellen Eröffnung des Festes mit dem Festbieranstich durch den Bürgermeister am Abend des 1. Oktobers folgten am 2. Oktober der „Tag der Senioren" und der „Tag der Firmen", am 3. Oktober ein Kindernachmittag und am 4. Oktober ein „Nachmittag der Blasmusik". Den Höhepunkt des Festes bildeten am 5. Oktober der von zahlreichen Spielmannszügen, Einrichtungen und Vereinen getragene Festumzug durch die Stadt (rund 1.400 Akteure),  das Gemeinschaftsmusizieren der Gastvereine sowie die Abschlussparty mit einem Höhenfeuerwerk. Umrahmt wurden alle Tage von zahlreichen Musikveranstaltungen. 

Mit Blick auf das 25-jährige Jubiläum plant Hildburghausen eine Neugestaltung und Neuausrichtung des Theresienfestes. Eine dazu berufene Arbeitsgruppe tagte im November 2014 erstmalig  und beriet u. a. darüber, ob das Fest eventuell doch in der Innenstadt gefeiert werden kann bzw. welche anderen neuen Standorte für den Festplatz infrage kämen. 

*****

 Fotos: Thomas Handschel 

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Fichtensetzen
von Claudia Grabalowski
MEHR
Höhlerfest in Gera
von Romi Tennstedt
MEHR
Thüringer Buchtage
von Constanze Bragulla
MEHR
Zwiebelmarkt in Weimar
von Mara Fürnberg
MEHR