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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Hermann Pistor aus Sonneberg

Hermann Pistor aus Sonneberg

Jessy von Berg

Er gilt als einer der bekanntesten Söhne der Stadt Sonneberg, der durch seine Verdienste auf dem Gebiet der Optometrie, der Lehre der Messung und Bewertung von Sehfunktionen, bis heute überregionale Bekanntheit erwarb.

Die Rede ist von Hermann Pistor, dem Nestor der modernen Augenoptik. Er entwickelte die Grundlagen für die Fach- und Hochschulausbildung auf dem Gebiet der Optometrie und gilt daher als „Begründer der modernen Augenoptik“.

Pistor wurde am 6. September 1875 in Sonneberg als Sohn eines Lagerarbeiters geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, fiel aber bereits in der Volksschule durch überdurchschnittlich gute Leistungen auf. Dennoch wurde er erst 1904 für hochbegabt erklärt und im Zuge dessen auf Veranlassung des Landesherren, Herzog Georg II., für wissenschaftliche Studien beurlaubt. Vorher hatte Pistor in Gräfenthal und Sonneberg als Lehrer gearbeitet.

In Folge seiner Beurlaubung holte Pistor sein Abitur nach und studierte an der Universität in Jena Mathematik, Physik und Geographie. Er promovierte mit einer Doktorarbeit zum Thema „Eisenbahnwesen im Thüringer Wald“.
Anschließend nahm er die Lehrtätigkeit am Sonneberger Realgymnasium wieder auf und entwickelte währenddessen moderne didaktische Ansätze im naturwissenschaftlichen Unterricht. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf Mathematik und Physik.

1918 wechselte er an die „Fachschule für Augenoptik“ in Jena, wo man ihn aufgrund seiner pädagogischen Fähigkeiten und naturwissenschaftlichen Kenntnisse als Lehrkraft einstellte. Bereits ein Jahr später wurde er Direktor der neu eröffneten Schule; im selben Jahr ernannte man Pistor zum Professor. Die Position als Direktor hatte Pistor bis zu seinem Tod inne.

Während seiner Lehrtätigkeit in Jena befasste sich Hermann Pistor erstmals fachlich mit der Optometrie, die gleichermaßen die biologische und physikalische Optik erfasst und sich mit Fehlsichtigkeit und ihrer Korrektur beschäftigt.

Hermann Pistor war außerdem bis 1935 Vorsitzender Logenmeister der Johannisloge „Zur Akazie am Saalstrande“ und Mitglied derFreimaurerloge. Aufgrund dieser Mitgliedschaft wurde er 1933 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt während der 1930er Jahre ein umfassendes Schreibverbot.
Pistor starb am 2. Oktober 1951 in Jena. Beigesetzt ist er im Ehrenhain des Nordfriedhofs.

Vierzig Jahre nach seinem Ableben ernannte man Pistor aufgrund seiner großen Verdienste um die Augenoptik zum Ehrenbürger Jenas und die „Hermann-Pistor-Straße“ erhielt seinen Namen. Aber nicht nur diese Straße soll an den großartigen Mathematiker erinnern. Auch die Fachschule für Augenoptik in Jena trägt den Beinamen „Hermann Pistor“ und das Staatliche Gymnasium in seiner Heimatstadt Sonneberg wurde 2008 in „Hermann-Pistor-Gymnasium“ umbenannt.



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Bilder:

Hermann Pistor: Gemälde von Georg Kötschau in der Optikerschule, fotografiert von Hans-Joachim Naber; Wikimedia CC BY_SA 3.0.

Fotos von Jessy von Berg: (1) Gedenktafel am (2) Geburtshaus in Sonneberg, (3) Hermann-Pistor-Gymnasium in Sonneberg.

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