Thüringen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Thüringen-Lese
Unser Leseangebot

Bernd Seite

Von hier aus

Berndt Seite wirft einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nicht nur seine eigene, sonderen auch auf Blick auf die Menschheit als Ganzes.

Burg Posterstein

Burg Posterstein

Carolin Eberhardt

Schon von Weitem ist der 25 Meter hohe Burgfried mit seinem kirchenähnlichen Türmchen zu sehen. Das beeindruckende, über 800-Jahre alte Bauwerk, die Burg Posterstein, hält so manche Überraschung bereit. Hier wird anhand von interessanten Persönlichkeiten die regionale Geschichte erzählt. So zum Beispiel wird in dem kulturhistorischen Museum der Burg über die Schaffensjahre des Schriftstellers Hans Fallada in Nöbdenitz berichtet. Vordergründig jedoch ist die charmante historische Kulisse mit den schweren Eisentüren. Sogar ein Verlies kann im Burghof besichtigt werden. Unvorstellbar, dass durch diese schmale Öffnung Menschen in den Kerker hinuntergelassen wurden.

Wesentlich besser hatten es da die Herrschaften, die die Burg bewohnen durften. Der Herrscher hatte nicht nur ein beeindruckendes Mobiliar, sondern auch das Recht, Verbrecher abzuurteilen. Eigens zu diesem Zweck gab es einen Gerichtsraum. Über einen Geheimgang, welcher vermutlich vom Dorf bis in den sogenannten Gerichtsschrank des Raumes führte, wurden die Gefangenen zu ihrer Aburteilung eskortiert.

Der Turm ist bis unterhalb seiner Spitze zu besichtigen. Über 99 Stufen gelangt man auf eine Plattform unterhalb der Spitze und kann den wunderschönen Ausblick genießen. Ein wenig schwindelfrei und wind- und wetterfest sollte der Besucher dafür allerdings sein.

Wer denkt, dass die geschichtlichen Fakten für kleine Besucher zu trocken sein könnten, der irrt sich gewaltig. Burg Posterstein wird ihrem Image „Kinderburg“ mehr als gerecht. Bereits beim Eintritt in die Burg erhalten kleine Abenteurer eine Schatzkarte, mit der sie über verschiedene Stationen den Rundgang erleben können. Dabei werden sie stets begleitet vom Burggespenst Posti und dem Burgdrachen Stein. Verschiedene Dinge dürfen sogar angefasst und ausprobiert werden. Diese sind aber stets markiert, entweder durch den schwarzen Ritter oder eine schwarze Kiste. Ziel der ritterlichen Schatzsuche ist es, die versteckten Buchstaben für das Lösungswort zu finden. Mit diesem kann an der jährlichen vorweihnachtlichen Verlosung teilgenommen werden.

Erstmalig erwähnt wurde Burg Posterstein in einer Urkunde König Konrads III. aus dem Jahr 1143. Ob die Höhenburg bereits damals der Herrschersitz des Ministerialen Gerhard von Nöbdenitz (damals Gerhardus de Nubudiz), ein Reichsministerial Barbarossas, war, ist nicht bekannt. Vermutet wurde längere Zeit, dass sich der einstige Sitz in Nöbdenitz selbst befunden hat. Gerhard entstammte urkundlich belegt aus der Familie von Stein, nach seiner Mutter Mechthild de Steinne, später ab 1222 nannten sich die Mitglieder des Geschlechts lediglich „de lapide“ (von Stein). Aus diesem Zeitraum sind noch die Ringmauern sowie der 12 Meter hohe runde Burgfried erhalten. Bis 1575 befand sich ein gleichnamiger Siedelhof in Nöbdenitz – eine von Wasser umgebene, flache Anlage, die ebenfalls mit zu dem Postersteiner Besitz zählte.

Das Museum des Landkreises wurde 1952 gegründet, nachdem durch die Bodenreform in Thüringen Anfang 1946 die Grundherrschaft Posterstein aufhörte zu existieren. Es folgte zunächst eine Enteignung des 192 Hektar großen Rittergutes, Teile seiner Wirtschaftsgebäude wurden sogar abgerissen. Der letzte Rittergutbesitzer Kurt Herrmann siedelte nach der Bodenreform nach Westdeutschland um. Zunächst wurden nach Kriegsende in Burg und Herrenhaus Flüchtlinge einquartiert, später befand sich von 1956 bis 1992 im Herrenhaus ein Kinderheim. Ab 1952 erfolgte eine mühsame Sicherung der Bausubstanz ohne konstruktiv die vorhandenen Bauschäden zu beseitigen. Immer mehr Räume konnten im Obergeschoss mit Ausstellungen zu regionalen Themen gefüllt werden, insbesondere aber zu der Thematik der Geschichte der Schmöllner Knopfindustrie. Doch die unzureichende Baupflege, mehrfache Wassereinbrüche durch undichte Dächer und der 1953 durchgeführte Abriss des Nordflügels sollten sich im Jahre 1977 rächen. Denn die Burg konnte folglich nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Erst 1991 erfolgte die Wiedereröffnung der Burg mit einem neuen Konzept sowie neu gestalteten Ausstellungen.

Das Herrenhaus beherbergt heute eine moderne Ferienwohnung, nachdem es unter dem Motto „Gemeinsam nicht einsam – neues Leben auf dem Land“ 2019 seine sanierten Pforten öffnete. Unter anderem befindet sich im Erdgeschoss heute das Café "Zur Eisernen Bank".

Während des Rundgangs durch Burg Posterstein haben Kinder die Möglichkeit, sich ritterlich oder burgfräuleinmäßig zu kleiden. Dafür stehen verschiedene Utensilien bereit. Nachdem die Jungen über die Ritterbekleidung durch einen Film zu Beginn der Ausstellung und die Mädchen im Raum zuvor über die Kleidung der Damen der damaligen Zeit informiert wurden, können die Kinder das Gelernte nun selbst an sich ausprobieren.

 

Adresse:

Burgberg 1

04626 Posterstein

 

*****

Textquelle:

Internetauftritt der Burg Posterstein abgerufen von >https://www.burg-posterstein.de/startseite-museum/geschichte-der-burg-posterstein/< am 08.05.2023.

Fotos: Carolin Eberhardt, Mai 2023.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Die Osterburg zu Weida
von Mia Brettschneider
MEHR
Schloss Tonndorf
von Ulrike Unger
MEHR
Veste Wachsenburg
von Florian Russi
MEHR
Die Kunitzburg
von Carolin Eberhardt
MEHR

Burg Posterstein

Burgberg 1
04626 Posterstein

Detailansicht / Route planen

Werbung:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen