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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

Ae guter Rat

Ae guter Rat

Anton Sommer

Ein Appell an das Gute im Menschen

„Ae guter Rat“ beschreibt den letzten Gang der Menschen zum Himmelstor, wo Petrus, der langbärtige Wächter, auf die Verstorbenen wartet. Sommer gibt den guten Rat, ein frommes und anständiges Leben zu führen, um nach dem Tod von Petrus Einlass in das Himmelreich zu finden und nicht als „Tagenischt“ im „Schwafelqualme“ der Hölle landen zu müssen. Wie immer schreibt Sommer sein Gedicht in Thüringer Mundart und beschwert sich im Weiteren darüber, dass es auf Erden zu viele unanständige Menschen gebe, die sich mit vorsätzlicher Manier den Weg zum Höllentor sichern.

In mittelalterlichen Darstellungen erscheint der Apostel Petrus, eigentlich Simon Petrus, welchem nach Neuem Testament als erster Person der auferstandene Jesus begegnet ist, als der Wächter der Himmelspforte, deren Öffnen und Schließen in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Auch wurde Petrus im Volksglauben zum Wettergott erhoben. Bis heute hat sich die Redewendung "Petrus hat die Himmelsschleusen geöffnet" erhalten, wenn ein Regenwetter sich angekündigt. 

Carolin Eberhardt

Ihr Leite, an d’r Himmeltör,

das ös bekannte Sache,

da stiht ä alter Mann dervör

un hält bestännig Wache.

 

Sei langer Bart giht bis an’s Knie

Un glänzt wie pure Seide,

un seine Locken, weiß wie Schnie,

die schimmern in de Weite.

 

Ae grußer, döcker Schlösselbund,

dar bambelt an `n ronger,

dar wiegt gewöß ä verzen Fund,

ehr driber noch als dronger.

 

Kömmt nun ä Mensch saltuben an

Un hammert an d’r Röre,

da kömmt `r raus, dar alte Mann,

un guckt un fraht, warsch wäre.

 

Un ös ä Frommer, lässt ´r `n nein,

da wer `rsch nech bereie,

da ös ä Jubeln un ä Schrein,

da kann ar sich met freie.

 

Kömmt aber su ä Tagenischt,

wie’s völe göbt etz dronger,

da winkt `r ab un schreit: „Nischt, nischt!

Denn du gehierscht salt nonger.

 

In Schwafelqualme ös dei Platz,

Marsch, ohne Faderlasen,

das hast ju gewosst, mei Schatz,

was böst änn su gewasen.“

 

Ihr Leite, an d’r Himmeltör,

da hält Sankt Petrus Wache;

nahmt eich besamm und sorgt derför,

dass a reich tut offmache.

 

*****
Bildquelle:

Petrus-Statue auf dem Petersplatz in Rom, 2017, Urheber: Rabax63 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

 

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