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Roland Opitz
Kennst du Fjodor Dostojewski?

Das Leben Dostojewskis glich einer Achterbahnfahrt: stetig pendelnd zwischen Verehrung und Verachtung, zwischen Erfolg, Spielsucht und Geldnot. Mit 28 Jahren wurde er wegen revolutionärer Gedanken des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt, landet dann aber im sibirischen Arbeitslager.
Er gilt als Psychologe unter den Schriftstellern, derjenige der hinab schauen kann in die Abgründe der menschlichen Seele. Diese Biografie ist gespickt mit Auszügen aus seinen Meisterwerken sowie mit einigen seiner Briefe, die einen offenherzigen Menschen zeigen.

An de Rudelstädter

An de Rudelstädter

Anton Sommer

Anscheinend hat es dem Rudolstädter Mundartdichter Anton Sommer nicht gefallen, dass bei dem schönsten Sonnenwetter im Frühling die Menschen zu Massen in das Theater in Rudolstadt strömten. Sicher, Kultur muss sein. Aber was ist mit der Kultur, die uns die Natur geschaffen hat – so sein Plädoyer. Und so machte sich Sommer daran, die Vorzüge der aufblühenden Natur mit einem Theaterbesuch zu vergleichen. Ein Spaziergang in die Rudolstädter Landschaft hat erstmal schon den Vorteil, dass es „känn ruthen Haller (…) kost“. Sommer ruft dazu auf, die wunderschöne Natur zu genießen, an der frischen Luft mit offenen Augen – „un thutt racht eire Agen off“ - zu wandern und sich die Theaterbesuche für schlechtere Wetterlagen aufzusparen. 

Carolin Eberhardt

 

 Ihr Leite, horcht, ihr lasst fersch Geld

Su völ in de Comedje

Siht etze lieber naus ins Feld,

lasst eich derzu nech nöth’ge.

Salt könnt’r schönnre Sachen sih,

Wenn ihr de Agen wollt omdrih,

un kost känn ruthen Haller.

 

D’r liebe Gott, `s ös änne Pracht,

malt salber de Kollissen,

un pinselt etze Tag un Nacht,

Su wi se ware missen.

Die grine Farbe, guckt nur naus,

Su bröngt se ju kä Maler raus,

`s ös alles Drack dergegen.

 

De Barge sinn schon fert’g bald

Off allen bäden Seit’n,

un Feld un Wiese, Bosch un Wald,

die kommen raus bei Zeiten.

Un herre! Änne Höngerwand

Ös daderhönger ausgespannt,

su ward’rsch nergends fönge.

 

De Veilchen un de Gänseblumm,

die spölen erscht alläne,

bald aber nach änanner komm‘

de Blimmchen, gruß un kläne,

un jedes Bämchen hält sich dran

un zieht sich stöll un sachtchen an

Das ös ä Staat, ihr Leite!

 

Un ob a ös Musik derbei?

No ja, das will ech mäne,

ihr mißte ju stocktaab wul sei,

D’r Lärm ös gar nech kläne;

De Larchen schwerrn, die Finken schrein,

Von Stutenrand bis noff in Hain

Sinn nischt wie Musekanten.

 

Un wenn ihr nur gabt Achtgen droff,

Su wie in d’r Comedje,

un thutt racht eire Agen off,

Da könnt’rsch hiere pred’ge,

Denn jeder Bam, das wößt’r ju,

un jedes Blimmchen rufft eich zu,

an wan d’r Mensch soll denke.

 

*****

Vorschaubild: Rudolstadt by T. G. H. Haucke, c1770 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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