Thüringen-Lese

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Dominik Saure

#erfurtliebe
Mit einem Text von Jessika Fichtel
Bildband

Erfurt, die Stadt an der Gera, ist zweifelsohne eine der schönsten Städte Deutschlands. Domstufen, Anger, Augustinerkloster, Krämerbrücke: Das pulsierende Treiben in der Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen lädt immer wieder ein zum Staunen und Schauen, aber eben auch, sich zu besinnen, Einhalt zu finden, zu verweilen und dabei … sein »Erfurt-Gefühl« zu finden. Ein guter Ort, zu sein – sei es in den Zeugnissen seiner langen Geschichte oder in den kleinen Augenblicken seitab.

Die Saalekaskade

Die Saalekaskade

Göran Seyfarth

Thüringer Fjorde

Eingriffe des Menschen in die Natur sind zumeist umstritten. Befürworter und Gegner liefern sich dabei oft heftige Wort- schlachten, Vor- und Nachteile werden emotionsgeladen abgewogen. Der Bau der Saalekaskade Mitte des 20. Jahrhunderts war – wenn auch schrittweise durchgeführt – ein nicht geringer Eingriff in die Landschaft. Auf rund 80 Kilometern Länge wird die Saale im Bereich des Thüringer Schiefergebirges zu fünf Talsperren gestaut. Ursprünglich sollte damit die Möglichkeit geschaffen werden, durch gezielten Wasserabfluss den Wasserstand auf der Elbe zu regeln und die Schifffahrt dort auch in niederschlagsarmen Zeiten zu ermöglichen. Dazu war es andererseits notwendig, Orte beziehungsweise Ortsteile zu überfluten und Hunderte Menschen umzusiedeln. Heute steht die Energieerzeugung an den Staustufen im Vordergrund.

Das relativ hohe Gefälle der Saale in diesem Bereich ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb von Kraftwerken, die Vattenfall Europe Generation AG betreibt mehrere. Folgen wir der Saale von Saalfeld flussaufwärts, so treffen wir zunächst auf die Talsperre Eichicht. Diese wirkt wie ein etwas breiterer Fluss und verläuft parallel zur Straße. Bald erkennt man die mächtige, 75 Meter hohe Staumauer des Hohenwarte-Sees. Hier beginnt das bis Ziegenrück reichende, rund 27 Kilometer lange Gewässer, welches mit etwas Fantasie ein wenig an einen norwegischen Fjord erinnert. Bewaldete, relativ  steile Hänge reichen an vielen Stellen bis ans Ufer heran. Da- zwischen befinden sich Siedlungen mit Ferienhäuschen. Boote liegen an den Stegen oder gleiten über die Wasseroberfläche, Angeln werden ausgeworfen – es gibt manchen Platz zum Wohlfühlen und Entschleunigen hier.

Weiter  flussaufwärts  –  an Ziegenrück vorbei – treffen wir nacheinander auf die vergleichsweise kleinen und wenig bemerkenswerten Talsperren Walsburg und Burgkhammer, beides Unterbecken von Pumpspeicherwerken. Unweit von Schleiz finden wir eine 205 Meter  lange und 65 Meter hohe Staumauer. Sie wurde bereits 1932 fertiggestellt und gehört zur Bleilochtalsperre, dem Stausee mit dem größten Fassungsvolumen in Deutschland. Dieser ist beachtliche 28 Kilometer lang und rund neun Quadratkilometer groß. Hier kommen Wassersportfreunde im mit natürlichen Seen nicht gerade reich ausgestatteten Freistaat voll auf ihre Kosten, außerdem verkehren von Saalburg aus Fahrgastschiffe. Alljährlich lockt das „SonneMondSterne“-Festival mehrere 26 zehntausend Fans nach Saalburg. An einem Wochenende im August tritt auf Open-Air-Bühnen und in Zirkuszelten alles, was Rang und Namen hat im Bereich der elektronischen Tanzmusik, auf, aber auch für Rock- und Popgrößen ist man offen. Das Land an der Saalekaskade – hier wird Kultur gelebt, Energie erzeugt, gewandert, gebadet, Wassersport betrieben, gecampt oder ein- fach nur die herrliche Landschaft genossen. Und dennoch wird das Gebiet an der oberen Saale – wie ich finde, zu Unrecht – oft unterschätzt, zu viele rasen achtlos über die nahe A 9 an ihm vorbei.

Die Saalekaskade

den Fluss entlang

zwischen Blanken-

stein und Saalfeld

*****

Textquelle:

Seyfarth, Gören: Thüringen: Die 99 besonderen Seiten der Region, mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle, 2016, S.24-27.

Bildquellen:

Fotos von Barbara Gerlach.

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