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Christoph Werner
Schloss am Strom

Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers.

Leuchtenburg

Leuchtenburg

Anette Huber-Kemmesies

„Königin des Saaletals" wird sie genannt. Weit über den Baumwipfeln (ca. 400 Meter) leuchtet sie schon aus der Ferne und lässt Mutmaßungen über ihre Namensgebung zu. Der karge Berghang mit nur wenig Vegetation lässt die Burg frei erstrahlen. Ihre Geschichte geht bis ins Mittelalter zurück. Im Jahre 1150 unter dem fränkischen Geschlecht von Auhausen erbaut, wurde die Leuchtenburg erstmals 1221 urkundlich erwähnt. Da die Ahnen der Erbauer sich immer mehr verschuldeten, blieb ihnen am Ende nichts anderes übrig, als die Burg zu verkaufen. So erwarben die Grafen von Schwarzburg die Leuchtenburg im Jahr 1333; das 14. Jahrhundert und die folgenden wurden die bewegtesten der Burggeschichte.

Den Schwarzburgern gelang es nicht, die Burg zu halten, obwohl der Besitz ihnen die Behauptung gegen das wettinische Adelsgeschlecht versprach. Die Leuchtenburg wurde verpfändet und ging 1389 an Heinrich von Paradies, einem Erfurter Bürger. Der nutzte nun seine Machtstellung als Burgherr aus und ließ 1392 einen Bauern hinrichten, der lediglich in seinem Burgteich gefischt hatte - leider ohne Erlaubnis.

Daraus entstand ein Zerwürfnis zwischen von Paradies und den Wettinern, die ihre Obrigkeit missachtet sahen und die Burg belagerten und widerstandslos einnahmen. Erst vier Jahre später - 1396 - sollten die Wettiner rechtmäßige Besitzer der Leuchtenburg werden, indem sie eine entsprechende Summe Geldes zahlten, und blieben es sogar bis 1918.  

In diesem Jahr (1396) erfolgten Umbauten, die für die Einrichtung eines Amtssitzes auf der Leuchtenburg nötig waren. Die hohe Lage schien optimal für eine Verwaltungsbehörde, denn dadurch zeigte sie ständige Präsenz. Doch darf man sich die wettiner Fürsten nicht als stolze Burgbesitzer, die dort üppige Gelage feierten und Kriegspläne schmiedeten, vorstellen. Nein, auf der Leuchtenburg residierten sie nie, sondern setzten sogenannte Schösser ein, die als Stellvertreter fungierten.  

Nachdem Herzog Wilhelm im 15.Jahrhundert Mängel festgestellt und bemerkt hatte, dass eine Defensive erst möglich wäre, wenn eine Verteidigungsanlage gebaut würde, wurde eine Wehranlage mit Türmen errichtet, die bis heute noch sehr gut erhalten ist. Zusätzlich diente die Burg nun auch als Gefangenenlager.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg nicht mehr als Wehranlage und Festung, sondern als Amts- und Gerichtsgebäude genutzt. Berühmte Prozesse wurden hier während der Reformation geführt. Bei einem Prozess gegen den Täufer Hans Schleier wurde der Humanist und Philologe Philipp Melanchton zu Rate gezogen. Die Täufer wurden wegen ihrer radikal-reformatorischen Haltung und der Ablehnung der Kindertaufe verfolgt. Auch Melanchton lehnte die Kindertaufe ab, distanzierte sich aber von der Täuferbewegung. Schleier wurde inhaftiert; ein Turm der Leuchtenburg trägt heute noch seinen Namen.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg erneut in Mitleidenschaft gezogen. Schwere Brände wüteten während den Kriegswirren. Das Ausmaß der Verwüstung war so groß, dass es zwölf Jahre dauern sollte, die Schäden zu beseitigen und die Burg zu sanieren. Nach dem Krieg wurden immer wieder Stimmen für eine Verlegung des Amtssitzes laut, da das Erreichen der Burg sehr mühsam war. Auch aus finanzieller Sicht lohnte es sich nicht mehr, die Burg als Amtssitz zu nutzen, und so wurde sie ab dem 18. Jahrhundert zu einem Armen-, Irren- und Zuchthaus umfunktioniert, das bis 1871 bestand und in dem auch der Bürgerrechtler Goswin Krackrügge inhaftiert war.
Zwei Jahre nach der Schließung, 1873, begann man das ehemalige Zuchthaus auf der Leuchtenburg in ein Hotel umzubauen und ein Restaurant einzurichten. Danach wurde die erste Jugendherberge Thüringens hier im Jahre 1920 eröffnet. Sie bestand bis 1997.
Nochmals leichten Schaden nahm die Leuchtenburg während des Zweiten Weltkriegs. Das DDR Regime plante schließlich, dort ein Internierungslager für antisozialistische Bürger zu errichten. Der Plan wurde aber nie in die Tat umgesetzt.
Heute sind die Burg und das darin befindliche Museum ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Touristen. Eine Attraktion der Leuchtenburg ist die Porzellanausstellung, die multimedial durch die Geschichte des Porzellans und der Porzellanherstellung führt. Auch alte Rüstungen und Waffen können begutachtet werden. Außerdem kann man Wasser aus dem 80m tiefen Brunnen, der 1552/53 ausgegraben wurde, befördern. Dazu muss man in einem überdimensionalen Laufrad gehen. Am anderen Ende kann dann das klare und reine Wasser getrunken werden.
Die Ausstellung rund um das Zuchthaus wird von Terminals begleitet, die unter anderem ausführliche Informationen zu bekannten Persönlichkeiten aus der Geschichte der Burg liefern, so zum Beispiel auch über Goswin Krackrügge und seinen Kamp für Bürgerrecht und gegen Beamtenwillkür.

 

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Foto: Dr. Thomas Köhler,Jena "Luftbild der Leuchtenburg bei Kahla, Thüringen, Deutschland", 2006; gemeinfrei, wikipedia

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