Thüringen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Thüringen-Lese
Unser Leseangebot

Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Lesung unterm Sternenhimmel

Lesung unterm Sternenhimmel

Christina-Maria Jahn

 „Mit jedem Kind, dessen Geschichte ich niedergeschrieben habe, trat ein weiteres Kind hinter mich, lugte über meine Schulter und wollte seine Geschichte erzählen.“

Passend zum „Weltlachtag“ veranstalteten Antje Genth-Wagner, Redaktionsleiterin des Bertuch Verlages Weimar, Lisa Dünnebeil, Veranstaltungsleiterin des Jenaer Plantariums und Dorothea Kromphardt, Clownin und Autorin, am 01. Mai 2022 eine Lesung unterm Sternenhimmel.

Über 100 Gäste waren gekommen um der Clownin zu lauschen, denn Dorothea Kromphardt hat viel zu berichten: Sie arbeitete 19 Jahre als Klinikclown „Knuddel“ auf der Palliativstation der Kinderklinik Jena. 19 Jahre, reich an intensiven Begegnungen, aufwühlenden Ereignissen und prägenden Erfahrungen. In ihrem Buch „Seifenblasen aus Tränenwasser“ hielt Dorothea Kromphardt diese neunzehn Jahre als Knuddel fest. Die Geschichten handeln von Knuddels einmaligen Begegnungen mit den Kindern, deren Leben knapp bemessen war und die Knuddel während der letzten Lebensmonate begleiten durfte. Neben einer nie heilenden Wunde, hinterließen sie vor allem bunte Erinnerungen, grenzenlose Freude und Dankbarkeit. Ihre Geschichten möchte Dorothea Kromphardt erzählen um sie wider das Vergessen zu schützen und tut dies in ihrer humoristisch-authentischen Art, mit der sie sich in empathischer und liebevoller Weise dem Tabuthema Tod furchtlos nährt.

Mit der Lesung unterm Sternenhimmel, ging für Dorothea Kromphardt ein Herzenswunsch in Erfüllung: Denn nicht nur, dass Jena der Ort ist, der Knuddel mit seinen kleinen Freunden verbindet, auch steckt in dem Bild des Sternenhimmels eine ungeheure Symbolkraft: Ähnlich wie die Sterne am Himmelszelt, leuchtet auch in jedem Hinterbliebenen die Erinnerung fort. Diese Erinnerungen, diese zeitlosen (Sternen-)Bilder werden in dunkelster Stunde das Licht der grenzenlose Liebe spenden, der Nacht trotzen, den Tod überdauern.

Um diese Symbolkraft zu unterstreichen wählte Kromphardt drei atmosphärische Lieder, die mit atemberaubenden Projektionen unseres Sonnensystems einhergingen. So wurden Sternenzelt und Klangteppich noch vor dem ersten Wort über den Köpfen der Zuschauer aufgespannt, als auch mit dem letzten Wort wieder aufgerollt. Dazwischen aber las Dorothea Kromphardt sechs bewegende Geschichten, die unter anderen Marienkäfer im Dezember, blinden Weltschmerz und einem Scheich im Krankenzimmer skizzierten. Nach drei Geschichten wurde das Buch zugeklappt und die Musik angestellt. Während über den Köpfen der Zuschauer der Kometenregen prasselte, hallten im Herzen die verklungenen Geschichten nach und boten Raum zum Nachspüren und Erinnern. Zum Ende der Veranstaltung erscholl reihum tosender Applaus, Standing-Ovations und großes Lob. Eine offene Fragerunde, die von Antje Genth-Wagner moderiert wurde, rundete die Lesung ab. Es war hier vor allem das kleine Wörtchen „Danke“, das aus allen Ecken des Zuschauerraums ertönte und in dem eine ganze Welt verborgen liegt.

Die Autorin mit den Eltern von „Knuddels Kindern“  (Von rechts nach links: Stephan Dittmar, Dorothea Kromphardt (Knuddel), Susann Seiferth, Simone Dittmar mit Puppe Jule und Yvonne Weise)
Die Autorin mit den Eltern von „Knuddels Kindern“ (Von rechts nach links: Stephan Dittmar, Dorothea Kromphardt (Knuddel), Susann Seiferth, Simone Dittmar mit Puppe Jule und Yvonne Weise)

„Danke“, kann auch als Leitstern der Lesung bezeichnet werden, denn Kromphardt sammelte satte 1230,- EUR Spenden, die der Hospiz- und Palliativstation Jena zugutekommen sollen. Aber tatsächlich, war es nicht nur die Großzügigkeit der Gäste, die den Zauber des Abends einfing, auch bei der anschließenden Signierstunde im Restaurant Bauernfeld traten unzählige Gäste auf Dorothea Kromphardt zu um ihre ganz persönlichen Glückwünsche zu übermitteln.

Wir sind noch ganz ergriffen, ganz beseelt. Knuddels Stimme wieder zu hören, war schwer und tröstlich zugleich.“, berichtet das Ehepaar Stephan und Simone Dittmar kurz nach der Lesung. Vor einigen Jahren, als ihre Tochter Rebecca schwer erkrankte, machten sie bereits Bekanntschaft mit Knuddel: „Sein Kind an den Krebs zu verlieren ist eine Erfahrung die einen prägt, wie nichts Anderes im Leben. Aber wider Erwartens hinterlässt die Erinnerung nicht nur Verzweiflung, sondern auch Momente der Freude und des Lachens. Knuddel hat viele solcher Momente mitgestaltet und bewohnt einen besonderen Platz in Rebeccas und unsrem Herzen. Darum ist es so wunderbar, dass Dorothea Rebecca eine Geschichte gewidmet hat, in der ihr Wesen fortwirkt, in der sich ihrer erinnert wird.“

Auch den Bertuch Verlag Weimar, der Kromphardts Buch verlegt hat, lässt Simone Dittmar nicht unerwähnt: „Ich finde es großartig, dass der Verlag sich dieser Thematik annimmt und unseren Kindern, wie auch uns Hinterbliebenen die Chance gibt, gehört und gesehen zu werden. Danke.“

 Die strahlende Familie Fehn auf der Terrasse des Planetariums
Die strahlende Familie Fehn auf der Terrasse des Planetariums

Auch Familie Fehn wohnte der Lesung bei. Durch einen Zufall, wie Frau Fehn angibt: „Eigentlich wollte ich nur mit meiner Tochter das Planetarium besuchen. Dann haben wir auf der Website des Planetariums verwundert Doros Namen gelesen und unseren Augen nicht getraut.“  Denn das Kuriose ist, dass sie Familie bereits vor 15 Jahren die Bekanntschaft mit Knuddel machte, als ihr Sohn Ludwig mit 5 Jahren an Nierenkrebs erkrankte. Knuddel, aber vor allem auch der Mensch hinter der Maske, war eine große Unterstützung für die Familie: „Sie stand immer mit Rat, Tat und offenen Ohr zur Seite. Die Doro vergisst man nicht!“ strahlt Frau Fehn und streicht dem 20-jährigen Ludwig über den Arm.

 

Solche Sätze verdeutlichen: Ihr Vorhaben, die einmaligen Begegnungen mit „Knuddels kleinen Kumpeln“ festzuhalten, welche aufzeigen wie bunt auch ein kurzes Leben und wie hilfreich auch ein Clown im Sterbezimmer sein kann, ist Dorothea Kromphardt bestens gelungen.

 

 

***

Fotos: Christina-Maria Jahn

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Werbung:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen