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Die sagenhafte Wendeltreppe

Die sagenhafte Wendeltreppe

Erkan-Joachim Müller

„Zweifellos ist diese Treppe, die rein aus Holz besteht, eine meisterliche Handwerksarbeit von außergewöhnlicher Eigenart, und so nimmt es nicht Wunder, dass das Volk um ihre Entstehungsgeschichte allerlei seltsame Einzelheiten erzählt, die sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem sagenhaften Gebilde verdichtet haben. Mag vieles an der Geschichte erdacht und erfabelt sein, die Treppe selbst bleibt ein Schaustück für alle Zeiten."

Zitat aus der Zeitzer Zeitung (März 1935)

Die Geschichte von der sagenhaften Wendeltreppe ist in Weida stadtbekannt. Nach den schlimmen Verwüstungen der Stadt Weida und den Brandschatzungen 1633 durch kaiserliche Söldner kam erst ab 1667 unter Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz der Wiederaufbau der Osterburg in Gang. Er wollte für seinen Sohn Moritz Wilhelm die Residenz wieder herrichten.

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Es war im Frühsommer 1670. Damals soll ein äußerst geschickter Handwerker, der Zimmermann Arnold Fehr auf ausdrücklichen Wunsch des Herzogs und gegen die Widerstände der Weidaer Zunftgenossen angestellt worden sein. Er verliebte sich in Margarete, auf die auch das Auge des Junkers von Brandenstein gefallen war. Aus harmlosen Späßen wird dreistes Bedrängen.
Das lässt sich Arnold nicht länger gefallen und stellt den Junker zur Rede.

Unter der mächtigen Eiche im Burghof tobt ein verbissener Kampf. Der betrunkene Junker zieht den Degen und rennt gegen den Zimmermann an. Geschickt weicht der aus, unterläuft die Klinge und wendet sie gegen den Angreifer. Der Junker stürzt in seine eigene Waffe und verblutet. Arnold muss fliehen, wird verraten, verhaftet und landet als zum Tode verurteilter Mörder im Hundeloch, einer Gefängniszelle der Osterburg.

Am Tage der Hinrichtung fleht Margarete den Landesherrn, Herzog Moritz um Gnade an.
Der ist entweder milde gestimmt oder denkt pragmatisch "Wie könnte ich mir den geschickten Zimmermann erhalten?" Die Todesstrafe wird in Haft umgewandelt und die Bedingung gestellt: Innerhalb eines Jahres soll Arnold aus dem Stamm jener Eiche, unter der er den Nebenbuhler getötet hatte, eine Treppe für das Schloss zimmern. Ganz allein - ohne fremde Hilfe.

Tag und Nacht arbeitete Arnold, ohne sich zu schonen. Mochte die Sonne heiß niederbrennen oder die Kälte ihm die Hände erstarren lassen, egal. Er kämpfte um sein Leben und seine Liebe.

Unter großen Mühen gelang es ihm, den Baumriesen zu fällen. Woche um Woche, Monat um Monat vergingen. Nach einem Jahr, am 13. Juli 1671, ist das Werk getan. Die zwölf Meter hohe Spindel aus dem Stamm der Eiche ist in eine kühne Wendelsäule verwandelt, die die Treppenstufen hält. Leicht und schwungvoll führen die Stufen von Geschoss zu Geschoss. Herzog Moritz steigt zufrieden von Stufe zu Stufe - die Treppe hält. Sie war so stabil gebaut, dass einhundert Männer zur gleichen Zeit auf ihr Platz gefunden hätten, ohne dass die Treppe schwankte oder gar brach.

Arnold Fehr ist frei. Mit leuchtenden Augen steht eine junge Frau neben ihm. Margarete - seine Braut. Und da der 13. Juli im Kalender als Margaretentag genannt wird, grub er mit seinem Werkzeug am Fuße der Treppe das Datum ein: Am Tage Margarethae, dazu die Buchstaben A. F., die wohl bedeuten sollen - Arnold Fecit - Arnold hat sie geschaffen.

Heute befindet sich die sagenumwobene Wendeltreppe im Bibliotheksturm der Anna Amalia Bibliothek Weimar (Foto: Klassik Stiftung Weimar, Bestand Fotothek).
Heute befindet sich die sagenumwobene Wendeltreppe im Bibliotheksturm der Anna Amalia Bibliothek Weimar (Foto: Klassik Stiftung Weimar, Bestand Fotothek).
 

Leider ist ein solch mächtiger Baum im Kupferstich von Merian oder in der Federzeichnung von Dillich vor der Zerstörung der Osterburg nicht zu sehen. Wir wissen also nicht, wo die Eiche genau gestanden hat. Fest steht nur, dass es die sagenumwobene Wendeltreppe wirklich gibt.

Fast einhundertfünfzig Jahre stand sie in einem Treppenturm der Osterburg. Am 28. August 1818 wies der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, den Baurat Carl Friedrich Christian Steiner an, eine im Schlosse Weida entbehrlich gewordene, schön gearbeitete Wendeltreppe von 42 Fuß Höhe abbauen zu lassen, um sie im Turm, der an die Großherzogliche Bibliothek in Weimar angrenzt, für Bibliothekszwecke wieder aufbauen zu lassen.

Der im Dienst des Weimarer Hofes stehende Sohn des Dichterfürsten Goethe, August von Goethe hatte die Ausführung des Befehls zu überwachen und war an dem Geschehen direkt beteiligt. Für diesen Raub mussten die Weidaer auch noch zahlen. Für den Abbau und den zehntägigen Transport wurden 124 Taler fällig. Am 18. November 1818 zahlte das Rentamt Weida diese Summe aus.

Im Bibliotheksturm der heutigen Anna Amalia Bibliothek in Weimar ist die Treppe zu bewundern.
Ja, wenn es denn so wäre. Zwar blieb sie glücklicherweise vom Feuer des Jahres 2004 verschont, aber dennoch dem Auge des Betrachters verborgen. Die sagenhafte Wendeltreppe ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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