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Wir werden sterben. Wollen wir darüber reden?
Heft 3/2012 - mit Sonderteil zur ARD Themenwoche "Leben mit dem Tod" 17.-23. November 2012

Aus dem Inhalt:
Zwischen Paradies und Nirwana. Stephan Schlensog über die Antworten der Weltreligionen auf die Grundfragen des Lebens.

Im Sterben Leben geben. Der Regisseur Christoph Schlingensief lebt in seinem afrikanischen Operndorf weiter.

Johannisfriedhof in Jena

Johannisfriedhof in Jena

Ulrike Unger

Der Johannisfriedhof in Jena – ein Stadtidyll

Thüringens Universitätsstadt Jena ist für ihre grünen Flächen und Winkel bekannt. Der Ort, von dem ich schreiben möchte, ist solch eine Insel inmitten von Geschäftszeilen und Bürogebäuden. Hierher zieht sich zurück, wer des hektischen Treibens der Innenstadt überdrüssig geworden ist.
Ist man einmal durch das wacklige Holztor getreten, welches den Johannisfriedhof von der nie schlafenden Bundesstraße 7 Richtung Weimar abteilt, befällt einen wahrscheinlich zunächst Verwunderung. Eigenartig, wie nah Lärm und Stille zusammenliegen können. Dem Efeu gehört das Revier, er hat es sich längst konkurrenzlos erobert. Er schmückt hohe, alte Bäume und bekleidet beinah vergessene Grabstätten sanft mit Blattwerk. Singvögel rascheln in den Hecken, vereinzelt warten Bänke auf Sitzgäste. Nur nicht umsehen, denkt sich der Besucher, der eben erst das, einem Park sehr ähnliche Gelände, entdeckt hat. Mag sein, er überlegt einen kurzen Augenblick, wo er sich befindet. Etwas schwer vorstellbar, dass man sich in Gesellschaft der ehrwürdigen Grabsteine überhaupt noch in der heutigen Zeit aufhält. Vielleicht schließt unser Besucher nun, leise aufatmend, die Augen und verweilt für einen Moment zwischen Geschichte und Gegenwart.
Die Friedhofsanlage mit einstmals zwei Kirchen reichte ursprünglich bis an die Wagnergasse heran. 1938 trennte der Bau der Straße nach Weimar den südlichen Bereich der Ruhestätte vollständig ab. St. Johannes Baptist, die katholische Begräbniskirche, ist seitdem nicht mehr Teil des Friedhofs.
1693 geweiht, passt sich die Friedenskirche, wie der kleine, schlichte Barockbau seit 1946 genannt wird, gut in die Grablandschaft ein. Noch immer gibt es in ihrem Inneren Gottesdienste und andere Veranstaltungen.
Die Aufgabe des Friedhofs als offizielle Begräbnisstätte erfolgte schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei der Ort, 1307 zuerst urkundlich erwähnt, von einer weit über 600-jährigen Friedhofsgeschichte erzählen kann.
Wer sehr aufmerksam über den Totenacker wandert, dem werden sicher viele Gräber historischer Jenaer Persönlichkeiten ins Auge fallen. Caroline von Wolzogen, die Schwägerin Friedrich Schillers und eine der Lengefeld-Schwestern, liegt auf dem Johannisfriedhof begraben. Johanna Schopenhauer, die Mutter des bisweilen recht misanthropisch eingestellten Philosophen Arthur Schopenhauer, fand ebenfalls hier ihre letzte Ruhe. Sie hatte sich zu Lebzeiten einen Ruf als Schriftstellerin gemacht. Auch Namen wie die des großen Verlegers zu Goethes Zeiten Carl Friedrich Ernst Frommann, des Theologen Johann Jakob Griesbach oder des Physikers Johann Wolfgang Döbereiner kann man ausfindig machen.

 

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Fotos: © Ulrike Unger

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