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Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Messingplatten für Goethes und Schillers Begegnung in Jena

Messingplatten für Goethes und Schillers Begegnung in Jena

Sandra Rudolph

Ein anschaulicher Beweis ihrer Freundschaft

„Erhalten Sie mir ein freundschaftliches Andenken und sein Sie versichert, daß ich mich auf eine öftere Auswechslung der Ideen mit Ihnen recht lebhaft freue." So lautet ein Satz aus einem Brief Goethes an Schiller.
Wenn man über die Stadt Jena nachdenkt, kommen einem vielleicht Goethe und Schiller in den Sinn. Nun bietet sich als Tourist in Jena eine Stadtführung geradezu an. Man erfährt dort tolle und interessante Sachen über die Stadt, angefangen von der Universität über Firmen wie Schott und Carl Zeiss bis hin zu den 4 Stadtbegrenzungstürmen. Einer davon ist der Anatomieturm, in welchem Johann Wolfgang von Goethe den Zwischenkieferknochen des Menschen entdeckt hat. Womit wir auch wieder bei Goethe wären.

Am heutigen Haus Unterem Markt 1, an dessen Stelle einst das Kirstensche Haus stand, lebte im ersten Stock niemand geringeres als Friedrich von Schiller von Mai 1794 bis April 1795. Man kann hier, wenn man genau hinsieht, auf einer 31 Meter langen LED-Laufschrift den vollständigen Briefwechsel zwischen den beiden Schriftstellern nachlesen. Konkurrierend dazu existieren auf dem Unteren Markt 60 handtellergroße Messing-Bodenplatten, die 30 stilisierte Blattarten zeigen. Dahinter steckt natürlich auch eine interessante Geschichte. Die Plaketten zeigen den Weg, den Goethe und Schiller vom ehemaligen, nicht mehr vorhandenen Bachsteinschen Haus in der Rathausgasse 1 bis zum ehemaligen Kirstenschen Haus, also das Haus, in dem Schiller wohnte, entlangschlenderten. Hier auf diesem Schlenderweg, symbolisch mit den Messingplatten dargestellt, fand das erste intensive Gespräch zwischen den beiden statt. Beide waren sich nach einer Sitzung im Bachsteinschen Haus nähergekommen, bummelten die wenigen Schritte bis zu Schillers Wohnhaus, während sie sich angeregt über die Metamorphose der Blätter unterhielten und ließen den Abend dort ausklingen. Der Rest ist Geschichte. Schiller ist glücklich über diese Begegnung und Goethe erhält bald darauf erste Post von ihm. Der rege Briefwechsel zwischen den beiden nimmt seinen Anfang.

Die begonnene Freundschaft wird hier am Unteren Markt mit den Messingplaketten förmlich zu neuem Leben erweckt. Der Briefwechsel ist einzigartig und der lebhafte Beweis ihrer Freundschaft und Beziehung. Die kurzen Briefe laden den zügig durch die Straßen laufenden Passanten geradezu zum Lesen der Lektüre ein und verwandeln ihn in einen erstaunten und faszinierten Leser. Und wenn man dann noch den Weg, gut gekennzeichnet durch die Plaketten, nachschlendert, fühlt man sich zurückversetzt ins 18. Jahrhundert, eben in die Zeit Goethes und Schillers.
Aus dem 483. Brief Goethe an Schiller. Weimar, den 24. Juni 1798.

Sobald ich mich von Jena entferne, werde ich gleich von einer andern Polarität angezogen, die mich denn wieder eine Weile fest hält. Ich hatte mehr als Eine Veranlassung nach Weimar zurückzukehren und bin nun hier um des Herzogs Ankunft zu erwarten, und wieder auf eine Weile Verschiednes zu ordnen und einzulenken; indessen denke ich daß ich heute über acht Tage wieder bei Ihnen seyn werde. Da ich gar nichts bei mir habe, sondern alles in Jena zurückgeblieben ist, so mußte ich mich in meine alten Papiere zurückziehen und habe allerlei gefunden, das wenigstens als Stoff uns zunächst noch dienen kann.

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 Fotos und Video: Sandra Rudolph 

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