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Christoph Werner:
Um ewig einst zu leben.

Um 1815 zwei Männer, beide Maler - der eine in London, der andere in Dresden; der eine weltoffen, der andere düster melancholisch. Es sind J. M. William Turner und Caspar David Friedrich. 

 

Reisen mit William Turner

Reisen mit William Turner

Christoph Werner

Joseph Mallord William Turner, 1775 bis 1851, war wohl einer der am weitesten gereisten englischen Maler des 19. Jahrhunderts. Anders als sein Zeitgenosse Caspar David Friedrich (1774-1840) sah er in Weltoffenheit und unterschiedlichsten Sujets eine Hauptquelle seiner Inspiration als Landschaftsmaler. Auf seinen Reisen in Großbritannien und auf dem Kontinent malte und zeichnete er eine kaum überschaubare Anzahl von Bildern, meist als Skizzen und Aquarelle, die er später genauer ausführte.
Seine frühen Arbeiten kann man als topographisch bezeichnen, das heißt, sie waren eine möglichst genaue Darstellung der örtlichen Gegebenheiten. Später kam er zu einem tieferen, weiteren und poetischeren Verständnis der Landschaft und der See, das schließlich in den großartigen und für seine Zeit unvergleichlichen Bildern mündete, in denen Licht und Farbe beinahe die Gegenständlichkeit im Bild auflösten.
Turner gelang es, die Tradition, dass die Landschaft etwas der Malerei Unwürdiges sei, zu überwinden und die Landschaftsmalerei zu völlig neuen und unerwarteten Dimensionen zu führen.
Seine Position als Professor für Perspektive der Royal Academy, die er ab 1807 innehatte, half ihm, seine Ideen zu verbreiten. Noch nachhaltiger sollte sein monumentales Werk, das Liber studiorum oder Studienbuch, begonnen 1806, für die Verbreitung seiner Ideen und seinen Nachruhm sorgen. Er wollte damit die große Vielfalt und den Umfang der Landschaftsmalerei dokumentieren, und deshalb enthält das "Studienbuch" historische und architektonische Sujets sowie Berglandschaften, Pastorale und Seeansichten.
Unser schönes Thüringen hat Turner auf seinen Deutschlandreisen der Jahre 1817, 1833, 1835, 1839 sowie 1840 nicht kennengelernt, zumindest gibt es darauf keine Hinweise. Umso befriedigender ist es, dass das Kunsthaus Avantgarde in Apolda vom 15. Januar bis 9. April 2012 eine Ausstellung der Bilder des Liber studiorum veranstaltet. Es ist ein einmaliges Erlebnis, diese Originale fernab von ihrer Heimatgalerie Bury Art Gallery and Museum in Lancashire in einer solchen Vollständigkeit anschauen zu können. (Kurator: Hans-Dieter Mück).

 

 

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Literatur:
Powell, Cecilia.1995. William Turner in Deutschland. Mit einem Beitrag von Pia Müller-Tamm. Herausgegeben von Manfred Fath. München, New York: Prestel.

Werner, Christoph. 2006. Um ewig einst zu leben. Caspar David Friedrich und Joseph Mallord William Turner. Roman. Weimar: Bertuch-Verlag. ISBN 3-937601-34-1

Bild: William Turner: Der St. Gotthard-Pass. 1804. Aquarell mit Auskratzungen. gemeinfrei, Wikipedia

 

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