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Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price. 1996 erschienen im Cambria Verlag, Hildesheim seit 2005 im Sortiment des Bertuch-Verlags 118 Seiten

Das Walpurgiskloster bei Arnstadt

Das Walpurgiskloster bei Arnstadt

Ulrike Unger

Ein beliebtes Ausflugsziel in der Region

Die wieder ausgegrabenen Grundmauern des einstigen Benediktiner-Jungfrauenklosters auf dem Walpurgisberg bei Arnstadt haben etwas Anziehendes. Mit ein wenig Träumerei ist es unschwer vorzustellen, wie hier im hohen Mittelalter, abgeschieden vom emsigen Leben des mit wichtigen Handelsstraßen gesegneten kleinen Städtchens Arnstadt, der Alltag der Ordensschwestern vonstatten gegangen sein mag.

Ein steil ansteigender Fußweg auf Muschelkalkfels, der ganzjährig mit braunem Buchenlaub angefüllt ist, dann ein Hohlweg, vorbei an einer uralten Eiche, die den Aussichtspunkt „Günthershöhe" tangiert, führt hinauf auf das Plateau.

Das Kloster, welches hier gestanden hat, wird gern mit dem Namen der Heiligen Walpurgis in Verbindung gebracht, richtig ist aber, dass es ein Marienkloster gewesen ist, welches lediglich auf dem Berg mit der Flurbezeichnung „Walpurgisberg" errichtet worden war. Eine Beziehung zur heidnischen Walpurgisnacht sucht man hier also vergeblich.

Jenes Kloster war Eigenkloster der Reichsabtei Hersfeld und stammt vermutlich aus dem späten 10. oder frühen 11. Jahrhundert, eine Ersterwähnung findet sich für das Jahr 1196. Es wird vermutet, dass sich vor der Erbauung der Stätte an derselben Stelle eine Berg-Kapelle befunden haben könnte, der Heiligen Walpurgis gewidmet.

Von den historischen Quellen oder von Geschichten, die vom Klosterleben erzählen, ist sehr wenig geblieben. Grabungsarbeiten ließen immerhin westlich der damaligen Klosterkirche eine 12m tiefe Filterzisterne ans Tageslicht treten, welche man im mitteldeutschen Raum eher selten findet. Weiterhin sind mindestens 15 Grabstätten auf dem Areal des Klosters bekannt oder gründlicher untersucht worden.

1309 hat man das Kloster an die Arnstädter Liebfrauenkirche verlegt, nur die ehemalige Klosterkirche blieb noch bis zur Reformation in Betrieb. Danach brach man sie ab. Das Klostergelände selber wurde lange Zeit landwirtschaftlich genutzt, bis hier Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeforstet wurde.
Von der Schönheit, der subtilen Mystik des Ortes fühlte sich schon der Arnstädter Lehrer, Mundartdichter und Heimatgeschichtsforscher Ernst Meiland (1890-1973) angezogen. Gern durchstreifte er, oft auch mit seinen Schülern, den Wald am Walpurgisberg und dessen dazugehöriges Umland.


Das Walpurgiskloster hat sich nach seiner Freilegung, nach Sicherung und Rekonstruierung der Funde, zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Region etabliert. Das vor dem Hintergrund der steinernen Klostermauerreste jährlich mit vielen Gästen stattfindende Walpurgisfest am 1. Mai ging 2011 bereits in die 20. Runde.

 

Quelle: P. Unger/Lothar Schmidt: Rund um St. Walpurgis. Walpurgisberg und Walpurgiskloster bei Arnstadt und Umgebung. Festgabe des „Thüringer Geschichtsverein Arnstadt e.V." zum 20. Walpurgisfest am 1. Mai 2011. Arnstadt: 2011.

Foto: Walpurgiskloster, Ulrike Unger 

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